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Gemeinsames Palliativ-Projekt startet
Montag, 14. Februar 2011 um 09:02 Uhr

"Wertschätzende Sterbekultur im Bodenseekreis" war das Thema einer Auftaktveranstaltung, zu der die sechs katholischen Sozialstationen und die Caritas im Bodenseekreis am Samstag ins Graf-Zeppelin-Haus nach Friedrichshafen geladen hatten. Mit dem Vortrag der Psychotherapeutin und Theologin Dr. Monika Renz aus St. Gallen startete das gemeinsame Projekt, das über die Diözesangrenzen hinweg ihr Profil im Bereich der ambulanten Pflege und Versorgung Sterbender schärfen soll.

"Gemeinsam": Symbolisch drückten die sechs Pflegedienstleiter/innen der katholischen Sozialstationen im Landkreis ihren Willen zur Zusammenarbeit aus. Von links nach rechts: Karin Kohler (Tettnang), Sigrid Koch (Salem), Jutta Dieker (Langenargen), Werner Schmalzigaug (Friedrichshafen), Marlene Scheu (Markdorf), Ulrike Auer (Überlingen). Foto: Kath. Sozialstationen im Bodenseekreis 


Dass das Thema Palliativversorgung in den letzten Jahren immer mehr in das fachliche Interesse der Medizin, der Seelsorge und der Pflege gerückt sei, sei erfreulich, sagte Ewald Kohler, Leiter der Caritas Bodensee-Oberschwaben, in seiner Begrüßung der rund 300 Teilnehmer - darunter Pflegekräfte, Ärzte, Seelsorger und Ehrenamtliche der Hospizbewegung. Deshalb hätten sich die Veranstalter - die katholischen Sozialstationen Friedrichshafen, Langenargen, Markdorf, Salem, Tettnang und Überlingen sowie die Caritas im Bodenseekreis - zusammengeschlossen, um ihre 150 Mitarbeiter gezielt fortzubilden, damit sie Sterbende nicht nur medizinisch-pflegepraktisch sondern auch zuwendend und wertschätzend begleiten könnten. Ziel sei es, flächendeckend verbindliche Qualitätsstandards zu entwickeln. Schließlich wolle man dazu beitragen, dass Patienten ihre letzte Lebensphase zu Hause möglichst menschenwürdig erleben könnten.

Als eine "sinnvolle und hervorragende Ergänzung" zu aktuellen Planungen des Landkreises sieht Landrat Lothar Wölfle das zukunftsweisende Palliativ-Projekt der Sozialstationen, das auch ein gutes Miteinander zwischen württembergischem und badischen Teil des Landkreises beweise.

"Wir brauchen eine wertschätzende Sterbekultur", sagte der Dekan des Dekanats Friedrichshafen, Reinhard Hangst. In einer Gesellschaft, in der Kranke als "Ballast" gesehen würden, seien die christlichen Aspekte umso wichtiger: In seiner Einmaligkeit und Würde sei es der Mensch wert, auch in Krankheit und im Sterben angenommen zu sein. Er dankte den Pflegekräften für ihren "tagtäglichen Dienst" und wünschte, "dass Sie das, was Sie den Menschen schenken, auch wieder zu Ihnen zurückkommt".

(Die Initiatoren des Projekts "Wertschätzende Sterbekultur im Bodenseekreis" von links: Josef Benz, Beate Schmitt-Grabherr, Werner Figilister, Bernhard Hatt und Ewald Kohler.)
 

Was man als Begleiter am Sterbebett erlebt und was "gutes Sterben" ist, davon berichtete Dr. phil. Dr. theol. Monika Renz, Leiterin der Psychoonkologie des Kantonsspitals St. Gallen, in ihrem Fachvortrag zum Thema: "Was ist gutes Sterben? - Das Ich stirbt in ein Du hinein".
Renz beleuchtete das Sterben aus verschiedenen Perspektiven. "Einfaches Sterben ohne Leiden gibt es ehrlicherweise nicht", sagte die promovierte Theologin und Psychologin. Das Leiden, sagte Renz, werde heute kollektiv tabuisiert, Sterbende fühlten sich oft als "Nichts oder Abschaum der Gesellschaft". Für die Angehörigen sei Sterben immer ein Bruch, das Ende der Beziehung und "unendliches Warten". Weil Sterben eine Gemeinschaftsdimension habe, sei gutes Sterben "aufgehobenes Sterben" in der Familie, Kirche oder dem Freundeskreis.

Die Buchautorin widmete sich den spirituellen Dimensionen: "Sterben ist ein Hin- und Herpendeln zwischen Bewusstseinszuständen", beschrieb Renz den Übergang vom Leben zum Tod. Dazu gehöre zum einen das Leiden im Schmerzzustand, zum anderen ein friedlicher, spiritueller, "heiliger, großartiger" Bewusstseinszustand, in dem sich viele Patienten entspannt und ohne Angst befänden. Renz berichtete von "Gotteserfahrungen" Sterbender.

(Dr. Monika Renz, Leiterin der Psychoonkologie des Kantonsspitals St. Gallen, gab ihren Zuhörern wichtige Impulse für den Umgang in der ambulanten Versorgung Sterbender)

"Sterbende brauchen unsere authentische Nähe und Hilfe", machte sie den Pflegekräften, die weit über die Kreisgrenzen hinaus gekommen waren, Mut und forderte sie auf, Signale von Sterbenden genau zu beobachten. Musik spiele am Sterbebett oft eine große Rolle, Menschen im Koma seien häufig auditiv zu erreichen, klärte die Musiktherapeutin auf. Mit einem indianischen Gesang in klarer Stimme schloss sie ihren tief bewegenden Vortrag. Die Zuhörer waren berührt und um viele neue Gedanken reicher, wenn es künftig um ihre eigene Arbeit mit Sterbenden geht.

(Text/Fotos: Christa Kohler-Jungwirth)

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