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Wenn eine Mutter dringend Hilfe benötigt
Dienstag, 12. Mai 2009 um 17:12 Uhr

2008 haben die Familienpflegerinnen der Sozialstation in Oberteuringen 1500 Stunden in sechs Familien verbracht.

(Schwäbische Zeitung 07.05.2009 / Angrit Döhmann)

Bild: Bettina Holzbecher ist Familienpflegerin und setzt sich auch auf den Boden, um mit dem dreijährigen Jan K. aus Oberteuringen ein Bilderbuch anzuschauen.

OBERTEURINGEN (sz) Als Frau K. aus einem kleinen Teilort von Oberteuringen mit dem dritten Kind schwanger war, gab es nach einiger Zeit Probleme, so dass ihr die Versorgung der beiden drei und fünf Jahre alten Söhne und die Führung des Haushalts nicht mehr möglich waren. Viel zu früh vor dem errechneten Termin hatten die Wehen eingesetzt. Es bestand die Gefahr einer Frühgeburt. Der Arzt verordnete strikte Schonung, außerdem verschrieb er eine Familienpflegerin. Bettina Holzbecher kam und arbeitet nun schon seit vier Wochen im Haus der Familie K.. Sie sorgt jetzt dafür, "dass der Familienalltag normal weiterläuft", wie sie sagt, denn das sei ihre vorrangige Aufgabe. Sie bringt die Kinder in den Kindergarten, spielt mit dem Jüngsten, wäscht, bügelt und kocht, so dass die werdende Mutter entlastet ist und dem Entbindungstermin gelassen entgegen sehen kann. Bettina Holzbecher fühlt sich wohl in der Familie K. und könnte es dort noch eine Weile aushalten, wie sie sagt. Sie hat während ihrer zehnjährigen Tätigkeit schon Familien erlebt in sehr belastenden Situationen, die ihr nach Dienstschluss noch lange auf der Seele lagen. Bevor sie den Beruf der Familienpflegerin wählte, hatte Bettina Holzbecher viele verschiedene Jobs ausprobiert, bis ihr klar wurde, dass für sie der direkte Umgang mit Menschen äußerst wichtig ist. Psychologie ist hilfreich. Die praktisch veranlagte, ausgeglichene Frau hat viele Eigenschaften, die für ihren vielseitigen, aber anstrengenden Beruf notwendig sind: Belastbarkeit, Organisationstalent, Flexibilität und Verschwiegenheit. Auf der Edith-Stein-Schule in Ravensburg machte sie im Jahr 1999, nach dreijähriger Ausbildung, ihren Abschluss als staatlich anerkannte Familienpflegerin. Neben hauswirtschaftlichen Fähigkeiten erwarb sie Kenntnisse in häuslicher Pflege, Pädagogik und Psychologie. Die beiden letzten Qualifikationen sind hilfreich, wenn sie in Familien mit schwierigen Kindern zu tun hat. Anfangs war Bettina Holzbecher manchmal den ganzen Tag tätig, also acht Stunden pro Stelle. Jetzt besteht die Tendenz zu kürzerem, vierstündigem Einsatz. Monika Kraus, Einsatzleiterin der Sozialstation für die drei Familienpflegerinnen in Friedrichshafen und Oberteuringen sagt, manchmal müssten die Einsatzkräfte pro Tag in zwei oder sogar in drei Familien hintereinander tätig sein. Sie erklärt, ein wichtiges und damit häufiges Einsatzkriterium für Familienpflegerinnen sei mindestens ein Kind unter zwölf Jahren in einer Familie, deren "haushaltsführende Person" wegen Krankenhaus- oder Kuraufenthalten oder Ähnlichem vorübergehend ausfällt. In Oberteuringen mussten im vergangenen Jahr 1500 Einsatzstunden bei sechs Familien geleistet werden. Wenn ihr Kontingent an Familienpflegerinnen einmal nicht ausreicht, wendet sich Monika Kraus an benachbarte Sozialstationen in Tettnang, Ravensburg, Markdorf oder Lindau. Sie sagt: "Wir versuchen, dass jede Familie, die Hilfe braucht, auch versorgt wird."

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