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Respekt und ein offenes Ohr
Dienstag, 12. Mai 2009 um 07:50 Uhr

In der Zeit, in der ich beim Patienten bin, will auch voll für ihn da sein. Andreas Hamm-Ströbele vom Team der katholischen Sozialstation liebt seinen Beruf als Krankenpfleger.

Autor: Brigitte Geiselhart

Südkurier Friedrichshafen, 25.02.2009

Bild: Südkurier, Brigitte Geiselhart

Der Arbeitstag beginnt früh. Bereits um 6.45 Uhr hat Andreas Hamm-Ströbele seinen ersten Termin. Einem betagten Herrn, etwa mitte 80, muss beim Aufstehen und Waschen geholfen werden. Auch beim Anlegen der Kompressionsstrümpfe braucht der Pflegebedürftige Unterstützung. Nicht vergessen, die Medikamente einzunehmen. Etwa 30 Minuten bleiben Zeit, bevor es zum nächsten Patienten geht.

Andreas Hamm-Ströbele liebt seinen Beruf. Seit zehn Jahren gehört der Krankenpfleger zum Team der katholischen Sozialstation ‚ er ist einer von vier Männern bei zahlreichen weiblichen Kolleginnen. Zehn bis zwölf Patientinnen und Patienten betreut er Tag für Tag ‚ im Frühdienst zwischen 6 und 12 Uhr und im Abenddienst zwischen 16 und 20 Uhr.

Da ist zum Beispiel der 94-Jährige, dem die Last des Alters immer mehr zu schaffen macht, oder die ältere Dame, die etwas wackelig auf den Beinen ist und deren Mann sich die Pflege nicht mehr allein zutraut. Doch wie sieht es eigentlich mit der Akzeptanz aus, wenn ein männlicher Pfleger einer Frau beim An- und Ausziehen oder in der Dusche helfen muss? ‚Natürlich gibt es manchmal Vorbehalte, sagt Andreas Hamm-Ströbele. ‚Aber meist merken die Betroffenen schnell, dass man kein Ungeheuer ist und genauso kompetent und einfühlsam an seine Arbeit geht wie eine Pflegeschwester. Und im umgekehrten Fall? ‚Männer genießen es meist, wenn sie von einer ‚ womöglich auch noch jungen ‚ Frau versorgt werden, ergänzt Hamm-Ströbele augenzwinkernd.

Natürlich muss der Arbeitstag gut geplant und eingeteilt werden. Zeitvorgaben, entsprechend der georderten Pflegeleistungen, sind so gut es geht einzuhalten. ‚Aber man hat mit Menschen zu tun, die mal schneller und mal langsamer drauf sind, da kann es auch mal zu Verzögerungen kommen, so die Erfahrung der Pflegekraft. Der Katheter ist verstopft, die Magensonde läuft nicht mehr, ein Patient stürzt oder kollabiert ‚ vieles kann passieren und den gedachten Ablauf durcheinanderbringen.

Dass sich der Verkehr staut oder die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes schnell zur nächsten Apotheke fahren müssen, um ein dringend benötigtes Rezept einzulösen, auch das kommt vor. ‚Zum Glück verfügt die Sozialstation über die entsprechenden Puffer und personellen Ressourcen, um solche unvorhergesehenen Ereignisse aufzufangen. Das gehört auch dazu, um der Pflege ein menschliches Gesicht zu geben, und entspricht unserem christlichen Leitbild, sagt Andreas Hamm-Ströbele.

‚In der Zeit, in der ich beim Patienten bin, will ich auch voll für ihn da sein ‚ und das, obwohl der Termindruck im Nacken sitzt, so die kompromisslose Arbeitseinstellung. Ganz da zu sein heißt auch, dem Gegenüber mit Respekt entgegenzutreten, ein offenes Ohr zu haben und zuhören zu können. ‚Manchmal bin ich der einzige Ansprechpartner am ganzen Tag, weiß Hamm-Ströbele, dass Altersarmut oft auch etwas mit fehlenden Bezugspersonen zu tun hat. Wenn sich zwischen Pfleger und Pflegebedürftigen mit der Zeit ein guter zwischenmenschlicher Kontakt einstellt, dann ist das für Andreas Hamm-Ströbele Vertrauensbeweis und Ansporn zugleich. Und die Bestätigung, dass er den richtigen Beruf gefunden hat.

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